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Seit langer Zeit schon wollte ich einmal die heimatlichen Biotope
europäischer Land- und Wasserschildkröten kennen lernen, um vor Ort
wichtige Erkenntnisse zur Haltung in unseren Breiten zu erlangen. Über
das Internet erfuhr ich von Bernd Pitzer, der am Fuß des Olymp in der
malerischen Pieria lebt, und der solche Exkursionen anbietet. Schnell
kamen wir via Email in Kontakt und einige Wochen später, am 24. August
2000 flogen wir - meine Tochter Samantha und ich, mit der Alitalia über
Mailand nach Thessaloniki, wo uns Bernds Frau Christel am Flughafen
abholte....
...der
erste Tag (24.8.00)...
in Griechenland begann, nachdem uns Christel mit einem Schild aus der
Menge der Neuankömmlinge fischte. Darauf stand "Samantha &
Uwe". Das hat schon mal gut geklappt Mit einem Fiat-Kleinbus gings
dann quer durch Thessaloniki auf die Autobahn, die uns nach Nei Pori führte,
unserem "Headquarter". Der Ort liegt ca. 3 km entfernt von
Bernds und Christels Haus in Platamonas.
In Platamonas angekommen, gingen wir zuerst alle gemeinsam in eine
Hafenkneipe und feierten den Sonnenschein, die Hitze und das Meer. Wir
verabredeten noch die Uhrzeit für unsere erste Exkursion am nächsten
Tag und wurden dann zu unserem Appartement nach Nei Pori gefahren.
Unser Zimmer dort war sehr schön, mit großer Terrasse und Meerblick .
Es gehört einer Freunden der Pitzers, Bruni - einer rheinische
Frohnatur, die vor 20 Jahren unserem kalten Wetter entflohen und
ausgewandert ist. Sammy und ich nahmen unser erstes Bad im herrlich
warmen Meer und bald war unser erster Urlaubstag auch schon zu Ende.
..der zweite
Tag (25.8.00)...
Nach dem Frühstück holte uns Bernd zur ersten Exkursion ab. Unser
Trupp wurde noch durch Gerd Hülsmann,
einem Schildkrötenhalter aus Osnabrück verstärkt, der an diesem
Morgen noch zu uns stieß. Wir fuhren in die nähere Umgebung an den
"Kleinen Olymp", um Griechische Landschildkröten (Testudo
hermanni boettgerie) zu beobachten. Binnen 5 Minuten fand Samantha
auch die erste Schildkröte - allerdings bereits seit Monaten tot. Es
war eine Baby-Boettgerie, der die langanhaltende Trockenheit vermutlich
den Garaus gemacht hatte. Doch schon kurze Zeit später wurde Bernd
fündig: ein ca. dreijähriger Teenager, der durch die trockene
Landschaft stapfte. Der Weg wurde immer steiler, aber bald kamen waren
wir an einem Vorsprung angekommen, an dem wir die Aussicht
genießen konnten.
Kurze Zeit später erreichten wir an ein
ausgetrocknetes Bachbett, in dem wir uns etwas weniger besonnt
weiterbewegen konnten. Nachdem es hier seit April nicht mehr geregnet
hatte, führte der kleine Bach an dieser Stelle kein Wasser mehr. Im
Frühling ist dies hier ein reißender Sturzbach, wenn die Schneemassen
des kleinen Olymp zu tauen beginnen. Auch
begannen die Bäume bereits, ihre Blätter abzuwerfen, so dass wir
gewaltig aufpassen mussten, worauf wir traten. Plötzlich nach wenigen
Kilometern den Bach aufwärts, sahen wir die ersten Restpfützen des
glasklaren Wassers. Und sie wurden immer größer und mehr, bis der
Bachlauf wieder Wasser führte. In den einzelnen Becken gab es sogar
Frösche und Süßwasserkrabben, von deren Existenz
ich bislang noch nie etwas gehört habe. Wir bewegten uns dann immer
wieder rechts und links des Bachbettes entlang, und bei einer
Überquerung fiel Samantha der Länge nach ins Wasser. Gegen Mittag
legten wir eine längere Rast ein |
und stießen prompt auf ein
ausgewachsenes Boettgerie-Männchen ,
der auf seiner Unterseite eine Carapaxverletzung aufwies. Der Riss
blutete sogar noch etwas. Es sah so aus, als ob jemand auf sie
draufgetreten war. Bernd markierte und katalogisierte sie mit Fundort
und Größenangabe. Da
das Tier ansonsten einen gesunden Eindruck hinterließ, nahm er es nicht
mit in seine "Krankenstation", so wie er es häufig mit
Schildkröten tut, sondern wir entließen die Schildkröte wieder in die
Freiheit. Schnell war der muntere Geselle dann mit seiner neuen
pinkfarbenen Markierung auf dem Plastron wieder im Dickicht
verschwunden. 
Wir machten uns dann wieder auf den Weg nach unten.
Bernd fuhr mit uns noch ins Delta des Pinios, der ein ausgewiesenes
Naturschutzgebiet ist. Dort gibt es zahlreiche T.h.b., Emys orbicularis
und Mauremys caspica. Leider nimmt die dortige Bevölkerung, allen voran
die Bauern den Status dieses Naturschutzgebietes nicht ernst. So weiden
sie ihre Rinderherden in diesem Gebiet, ziehen Bewässerungsgräben für
die Felder und beginnen sogar damit, illegal Ferienhäuser für betuchte
Städter zu errichten.
Im Delta gibt es zahlreiche Tümpel, die von Emys
orbicularis und Mauremys caspica bewohnt werden. Außerdem gibt es dort
zahlreiche Wasserfrösche ,
die in der Paarungszeit lautstark um Weibchen werben. Im Delta ist es
sehr ruhig und malerisch - und auch sehr heiß. Die stehenden Teiche
dort haben jahreszeitbedingt einen sehr niedrigen Wasserpegel, die
Wassertemperatur beträgt über 30°C und oftmals müssen die Tiere bei
anstehender Austrocknung das Gewässer
wechseln. Der Bodengrund ist sehr morastig und bei der Verfolgung einer
E. orbicularis ist Bernd plötzlich am Ufer bis zu den Schenkeln im
Morast eingesunken. Von den ca. 100 Tümpeln waren ca. 95%
ausgetrocknet, sogar Teiche, die jahrelang davon verschont blieben, hat
es in diesem Jahr erwischt, so dass auch kiloweise getrocknete Fische zu
sehen waren. Übrigens fanden wir auch eine tote Kuh - so dass wir uns
vorkamen wie im wilden Westen.
Ansonsten ist es im Delta versteppt, mit
Macchia und trockenem Sand, wie man im folgenden Bild sieht .
Im Hintergrund ist übrigens eine Viehherde zu sehen, die hier den
Landschildkröten als Nahrungskonkurrent gegenübertritt. Bald schon
sahen wir die ersten T.h.b., wobei ein Großteil bereits schon von Bernd
markiert war. Zumeist waren es männliche Tiere, so wie dieses Exemplar.
Beachten Sie bitte hier die deutliche Höckerbildung ,
die wir insgesamt bei ca. 20% der Tiere bemerkt haben und die nicht nur
ein Zeichen suboptimaler Haltung in Gefangenschaft ist, sondern auch in
der Natur vorkommt! Noch sehr beeindruckt von der ursprünglichen
Schönheit dieses Deltas und den vielen Tieren, die wir bereits am
ersten Exkursionstag beobachten konnten, traten wir erschöpft die
Heimfahrt an.
..der dritte
Tag (26.8.00)...
Der dritte Tag unserer Exkursion stand ganz im Zeichen der
Wasserschildkröten. Die beiden in diesem Landstrich vorkommenden Arten
Emys orbicularis helleni und Mauremys caspica galt es zu beobachten. Die
Pitzers habe hierfür ein großes Armee-Rafting-Schlauchboot, das wir am
frühen Morgen auf den Kleinbus hievten. Da dieses Boot mit uns vier
Expeditionsteilnehmer nicht zu manövrieren ist, hat Bernd noch einige
weitere Freiwillige rekrutiert, die uns an diesem Tag begleiteten. Wir
fuhren an den Pinios, der in wunderbarem Türkis vor sich hinfließt.
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Das Wasser war aber sehr kalt,
höchstens 14°C - wir durften also nicht ins Wasser fallen!
Mit langsamen Paddelschlägen ging es flussabwärts. Von weitem konnten
wir die Wasserschildkröten sehen, jedoch war die Fluchtdistanz sehr
hoch, so dass mir kaum ein Tier vor die Linse kam .
Das Wasser im Fluss wird auch im Hochsommer nicht wärmer als 15°C,
trotz dass er monatelang von der Sonne beschienen wird. Den
Schildkröten schadet dies offensichtlich nicht; Hauptsache, sie können
sich immer wieder aufwärmen (ab sofort habe ich keine Sorgen mehr, wenn
mein Gartenteich im Sommer mal weniger als 18°C hat...). Auch waren
einige Eisvögel zu beobachten, die in steilen Uferböschungen ihre
Nester haben. Die dort vorkommende Art ist etwas größer als unsere
heimische Art, aber ebenso farbenfroh. Nachdem wir die Hälfte unserer
Rafting-Tour gegen Mittag hinter uns hatten, gingen wir an Land und
packten unsere Lunch-Pakete aus. Die Älteren Teilnehmer mussten sich
von den Strapazen erholen ,
während wir anderen die Fauna beäugten. Im angrenzenden Schilf sahen
wir einen europäischen Laubfrosch (Hyla arborea), der in der prallen
Sonne seinen Mittagsschlaf hielt .
Und bei genauerem Hinsehen, sahen wir noch viele andere - in jeder
Größe. Mich hat sehr verwundert, dass diese Tiere sich der glühenden
Sonne aussetzen, aber man lernt doch nie aus. Wir nahmen einen der
vielen Frösche vom Schilf und ließen ihn ein wenig herumkrabbeln. Nur
die wenigsten von uns hatten bisher das Glück, einen richtigen
Laubfrosch aus nächster Nähe zu sehen. Am wohlsten fühlte er sich
aber in Bernds Genick .
Dann ging es weiter den Pinios hinunter, an zahlreichen Schildkröten
vorbei. Zwei Stunden später kamen wir an der Mündung des Pinios an.
Der kalte Fluss ergießt sich hier ins kalte Meer, und wir konnten noch
ein ausgiebiges Bad genießen, bis uns Christel mit dem Bus wieder
abholte. Der vierte
Tag (27.8.00)...
...stand wieder ganz im Zeichen der Landschildkröten. Diesmal
fuhren wir ins Ossa-Gebirge - einem Habitat der Breitrandschildkröte
(Testudo marginata). Vor zwei Monaten wütete dort das Feuer
und Bernd bereitete uns auf viele verkohlte Tiere vor. Und so war es
dann auch. Immer wieder sahen wir zwischen verkohlter Macchia versengte
Schildkrötenpanzer. Die Tiere hatten keine Chance, dem Feuer zu
entkommen. Da selbst kleinere Felsbrocken in der Gluthitze zerbarsten,
ist es klar, dass auch die Marginatas dies nicht überleben konnten .
Hier wird es sicher noch Jahrzehnte dauern, bis die frühere
Bestandsdichte wieder erreicht ist. Da ein solcher Brand nicht von
alleine ausbricht, liegt es nahe, dass die Ziegenhirten die trockene
Macchia anzündeten, um dadurch Platz für neues Gras zu schaffen, dass
dann wiederum ihre Ziegen fressen konnten. Aber nicht nur verbrannte
Schildkröten fanden wir hier. Einen besser erhaltenen
Schildkrötenpanzer
mit einer schweren Panzerverletzung sahen wir ebenfalls - entweder
es war ein Meteorit, der das arme Tier getroffen hat, oder...
Trotz intensiver Suche konnten wir vier kein lebendes Tier
entdecken. Es war inzwischen Mittag und wir fuhren in ein abgelegenes
Bergdorf und ließen uns die griechische Küche (trotzdem) schmecken.
Danach durchstreiften wir noch ein Waldgebiet, wo Bernd früher immer
Boettgeries gefunden hatte, aber diesmal: Fehlanzeige! Um den Tag nicht
ohne lebende Schildkröten beschließen zu müssen, gings dann noch ins
Delta, wo uns wieder einige quietschfidele Boettgerie-Männchen vor die
Linse liefen .
Ein schönes Gefühl! |